Schutzsysteme

Eine international angelegte Studie, die Kindesschutzsysteme aus
fünf Ländern (Australien, Deutschland, Finnland, Schweden und Vereinigtes Königreich) vergleicht, liefert wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für eine Verbesserung des Kindesschutzes in der Schweiz.

(Studie und Zusammenfassung am Ende des Textes zum Download oder unter Publikationen.)

Kinder effizient vor Gewalt und Missbrauch zu schützen ist das erklärte Ziel aller Länder, die die UNO-Kinderrechts-Konvention unterschrieben haben. Gerade aber föderalistisch organisierte Nationen sehen sich bei der Schaffung eines effektiven und breitflächig greifenden Kinderschutzsystems vor spezifische Herausforderungen gestellt. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Verantwortung für den Kindesschutz hauptsächlich bei den Kantonen und Gemeinden liegt. Dies ist vorteilhaft, weil damit auf lokale Bedürfnisse eingegangen werden kann, kann aber in Bezug auf die Übersicht und die Koordination herausfordernd sein. Hier kann es sich lohnen, einen Blick über die eigenen Grenzen hinaus zu werfen und zu analysieren, wie andere sich dieser anspruchsvollen Aufgabe annehmen und was dabei ganz besonders erfolgsversprechend ist.

Länderübergreifender Vergleich von wirksamen Kindesschutzsystemen

Aus diesem Grund hat der neu gegründete „Schweizerische Fonds für Kinderschutzprojekte“ bei der Berner Fachhochschule eine Studie in Auftrag gegeben. Ziel war es, den aktuellen Stand der Bereitstellung von wirksamen Kindesschutzsystemen in verschiedenen Ländern zu analysieren, gute Praxis auf internationaler Ebene zu vergleichen und hinsichtlich der Anwendung in der Schweiz zu untersuchen.

In einem ersten Schritt führten lokale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Analysen in fünf ausgewählten Ländern durch (Australien, Deutschland, Finnland, Schweden und Vereinigtes Königreich). In einem zweiten Schritt wurden die Ergebnisse mit einer Expertengruppe, zusammengesetzt aus Schweizer Fachleuten aus den Bereichen Recht, Wissenschaft und Praxis, weiteren Untersuchungen und Auswertungen hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der Schweiz unterzogen und Empfehlungen für die Schweiz abgeleitet.

Der Leiter der Studie, Prof. Dr. Jachen Nett von der Berner Fachhochschule, betont: “Als Hauptergebnis unserer Arbeit hat sich gezeigt, dass die positiven als auch negativen Lektionen aus diesen Ländern konsistent und kohärent sind. Im Allgemeinen herrscht ein bemerkenswerter Konsens darüber, was in modernen Kindesschutzsystemen als ‚Gute Praxis‘ gilt.“

Empfehlungen für die Schweiz

Die 14 abgeleiteten Empfehlungen für die Schweiz geben Politik und Praxis wissenschaftlich fundierte Anregungen, wie der Kindesschutz in der Schweiz noch effektiver vorangetrieben werden kann. Die Empfehlungen beziehen sich sowohl auf nationale wie auch kantonale Massnahmen, aber auch auf die Bildungsebene, die Familienpartizipation und die Methodik von angewandten Präventions- und Interventionsmassnahmen. Wesentlich an den Empfehlungen ist, dass sie auf verschiedenen Ebenen greifen, aufeinander abgestimmt sind und auf zwei Richtungen abzielen: Einerseits auf ein fähiges Notfallsystem, das zum Einsatz kommt, wenn Fälle von Gewalt beziehungsweise Missbrauch eingetroffen sind, und andererseits auf ein Identifikations- und Präventionssystem, das gefährdete Bevölkerungsgruppen ausfindig macht und mit vorbeugenden Massnahmen dahingehend versorgt, dass es wenn immer möglich nicht zu Notfällen kommt.

Schweizerischer Fonds für Kinderschutzprojekte | Fonds suisse pour des projets de protection de l‘enfance | Fondo svizzero per progetti di protezione dell‘infanzia | CH-8098 Zürich